Welche Filme beruhen wirklich auf wahren Begebenheiten?

Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen
Filme, die auf realen Begebenheiten beruhen

„Nach einer wahren Begebenheit“ klingt bei Filmen immer nach besonderer Glaubwürdigkeit. Man schaut anders hin, weil man weiß: So ähnlich ist das wirklich passiert. Aber genau hier liegt der Haken. Manche Filme halten sich ziemlich eng an die Realität. Andere nehmen nur eine echte Person oder ein historisches Ereignis als Ausgangspunkt und bauen daraus eine deutlich dramatischere Geschichte.

Wer also fragt, welche Filme wirklich auf wahren Begebenheiten beruhen, bekommt keine einfache Ja-oder-Nein-Antwort. Es kommt darauf an, wie viel echte Geschichte noch im fertigen Film steckt.

Schindlers Liste

Schindlers Liste gehört zu den bekanntesten Filmen, die auf historischen Ereignissen beruhen. Der Film erzählt von Oskar Schindler, einem deutschen Unternehmer, der während des Zweiten Weltkriegs jüdische Arbeiter in seinen Fabriken beschäftigte und damit viele Menschen vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten rettete. Britannica nennt rund 1.100 gerettete Menschen; der Film basiert auf Thomas Keneallys historischem Roman Schindler’s Ark.


Schindlers Liste

Film
Schindlers Liste

Krakau steht unter deutscher Besatzung, als der Industrielle Oskar Schindler versucht, sich dort eine Existenz aufzubauen. Um eine Emaillefabrik zu…

Natürlich ist auch Schindlers Liste ein Spielfilm und keine reine Dokumentation. Figuren werden zugespitzt, Szenen verdichtet und Abläufe filmisch erzählt. Der historische Kern ist aber stark: Oskar Schindler gab es wirklich, ebenso die Menschen, die durch seine Fabriken überlebten.

Apollo 13

Apollo 13 ist ein gutes Beispiel für einen Film, der sehr nah an einem realen Ereignis bleibt. Die Apollo-13-Mission von 1970 sollte eigentlich auf dem Mond landen, wurde nach einer schweren Panne aber zu einem dramatischen Rettungseinsatz. Jim Lovell war der Kommandant dieser beinahe katastrophalen Mission.


Apollo 13

Film
Apollo 13

Weniger als ein Jahr nach der ersten Mondlandung startet Apollo 13 als vermeintlich routinemäßige Mission. Für Jim Lovell, Fred Haise und Jack…

Der Film macht daraus spannendes Kino, aber die Grundgeschichte musste Hollywood kaum erfinden. Drei Astronauten im beschädigten Raumschiff, begrenzte Vorräte, improvisierte Lösungen und ein Wettlauf gegen die Zeit: Das war bereits in der Realität hochdramatisch genug.

Der Film Apollo 13 beruht auf wahren Begebenheiten

 

Erin Brockovich

Erin Brockovich basiert ebenfalls auf einer echten Geschichte. Die reale Erin Brockovich arbeitete an einem Fall gegen Pacific Gas and Electric Company mit, bei dem es um die Verunreinigung des Trinkwassers in Hinkley, Kalifornien, mit Chrom VI ging.

Der Film mit Julia Roberts folgt diesem Kern ziemlich deutlich, macht daraus aber ein klassisches Underdog-Drama. Interessant ist: Manche Nebenfiguren und Einzelschicksale wurden für den Film zusammengelegt oder verändert. PBS weist etwa darauf hin, dass die Figur Donna Jensen kein direktes reales Einzelvorbild ist, sondern aus mehreren realen Erfahrungen zusammengesetzt wurde.


Erin Brockovich

Film
Erin Brockovich

Erin Brockovich sucht nach einem Job und bekommt zunächst nur Absagen. Erst als ihr Anwalt nach einem missglückten Prozess wegen eines Autounfalls…

Damit ist Erin Brockovich nicht frei erfunden, aber auch kein Protokoll. Der Fall ist real, die filmische Erzählung ist verdichtet.

Spotlight

Spotlight wirkt fast nüchtern, und gerade das macht den Film so stark. Er erzählt von der Investigativredaktion des Boston Globe, die den Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche in Boston aufdeckte. Britannica beschreibt den Film als faktenbasiertes Drama über die Arbeit der Journalisten; die Recherche des Boston Globe erhielt 2003 den Pulitzer-Preis für Public Service.


Spotlight

Film
Spotlight

Ein Artikel im Boston Globe bringt eine Recherche ins Rollen, die weit über einen einzelnen Fall hinausführt. Als Chefredakteur Marty Baron den…

Hier ist die Nähe zur Wirklichkeit besonders wichtig, weil es nicht um eine Legende oder eine Heldengeschichte geht, sondern um journalistische Arbeit und reale Opfer. Natürlich werden auch in Spotlight Gespräche nachgestellt und Abläufe für den Film geordnet. Trotzdem gehört er zu den Filmen, bei denen der Begriff „nach einer wahren Begebenheit“ ziemlich gut passt.

Spotlight Szenenbild. Der Filmist aus realen Ereignissen entstanden

The Imitation Game

The Imitation Game erzählt von Alan Turing, seiner Arbeit in Bletchley Park und der Entschlüsselung deutscher Codes im Zweiten Weltkrieg. Turing war tatsächlich eine Schlüsselfigur der Kryptanalyse und später auch für die Entwicklung der Computerwissenschaft wichtig. Das Imperial War Museum beschreibt, dass Turing 1939 in Bletchley Park an der Entzifferung militärischer Codes arbeitete.


The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Film
The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Alan Turing arbeitet in Cambridge an seinen mathematischen Ideen, doch sein Talent fällt erst richtig auf, als der britische Geheimdienst auf ihn…

Trotzdem sollte man den Film mit Vorsicht schauen, wenn es um historische Genauigkeit geht. The Imitation Game hat einen echten Kern, verändert aber Beziehungen, Konflikte und Abläufe stark, um eine klare Filmhandlung zu schaffen. Als Einstieg in Turings Geschichte funktioniert er gut. Als exakte Geschichtsstunde eher nicht.

Eine Szene aus den auf wahren Ereignissen beruhenden Film The imitation Game

Catch Me If You Can

Catch Me If You Can ist ein Sonderfall. Der Film basiert auf der Geschichte von Frank Abagnale Jr., der als Hochstapler, Scheckbetrüger und späterer Sicherheitsexperte bekannt wurde. Britannica beschreibt den Film als Biopic, das auf Abagnales Memoiren basiert.

Aber gerade hier ist Vorsicht angebracht. Die zugrunde liegende Lebensgeschichte wird seit Jahren angezweifelt. WHYY berichtete etwa über ein Buch, das große Teile der berühmten Abagnale-Erzählung als möglicherweise erfunden oder stark übertrieben darstellt.


Catch Me If You Can

Film
Catch Me If You Can

Frank W. Abagnale lebt von Rollen, die ihm niemand zutraut: Noch keine 21 Jahre alt, gibt er sich als Arzt, Rechtsanwalt und Copilot einer großen…

Das macht den Film nicht schlechter. Catch Me If You Can ist großartig erzähltes Kino. Aber als „wahre Geschichte“ ist er deutlich unsicherer als Filme wie Apollo 13 oder Spotlight.

Eine wahre Begebenheit ist nicht immer gleich wahr!

Filme nach wahren Begebenheiten funktionieren besonders gut, weil sie uns das Gefühl geben, näher an der Wirklichkeit zu sein. Trotzdem sollte man unterscheiden:

Apollo 13 und Spotlight bleiben relativ nah an realen Abläufen. Schindlers Liste und Erin Brockovich haben einen klaren historischen Kern, erzählen ihn aber filmisch verdichtet. The Imitation Game basiert auf einer echten Person, nimmt sich aber große Freiheiten. Und Catch Me If You Can zeigt, dass manchmal sogar die angeblich wahre Vorlage selbst fragwürdig sein kann.

Die beste Regel lautet deshalb: Wenn ein Film „nach wahren Begebenheiten“ beworben wird, stimmt meist der Kern. Aber die Details gehören fast immer Hollywood.

Filmzitat

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“