ARTE 360° Reportage Staffel 24

Serienplakat zu ARTE 360° Reportage

ARTE 360° Reportage

Ob Tiefseetaucher im Bermuda-Dreieck, Wildhüter in den Tiefen der sibirischen Wälder oder fußballspielende Bäuerinnen in den peruanischen Anden: Die Filme der Reihe „360° – GEO Reportage“ präsentieren die aufregende Arbeit und den spannenden Alltag außergewöhnlicher Menschen.

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Staffelinfos
Episoden: 30
Episoden
1. Die Lowrider-Ladies von L.A.
Der kultige Motorsport ist vor allem Hobby der „Chicanos“, wie sich die Bevölkerung mit mexikanischen Wurzeln selbst nennt. Während andere Autos immer höher gelegt wurden, legten sie ihre Karosserien derart tief, dass sie den Asphalt zu berühren scheinen. Hydraulikmotoren von Müll-Lastern waren die Inspiration der ersten Lowrider, ihre Wagen auch in schiefe Lagen zu bringen oder sogar springen zu lassen. Die „First Class Ladies“ gehören zu den ersten Frauenclubs in der Szene. Die sechs Mitglieder wollen das Image der Lowrider aufpolieren, denn die tätowierte Menge mit den schrägen Autos ist vielen suspekt. Der Club will Gutes tun und sammelt Spenden für die Obdachlosen von L.A.
2. Tapire – Die Dschungel-Gärtner
Einst bevölkerten sie die Wälder des ganzen amerikanischen Kontinents, heute leben sie nur noch in wenigen Regionen Mittel- und Südamerikas: Tapire. Die urzeitlich anmutenden Tiere mit ihrem markanten Rüssel sind vor allem durch menschengemachte Gefahren vom Aussterben bedroht. Biologen in Costa Rica und Nicaragua widmen ihre ganze Kraft dem Kampf ums Überleben der Spezies – mit Erfolg? Der Lebensraum der Tapire wird immer kleiner. Neben Rodungen haben auch Wilderer und große Highways dafür gesorgt, dass die Zahl der tapsigen Rüsseltiere in Mittel- und Südamerika drastisch zurückgeht. Aber Tierschützer in Costa Rica und Nicaragua kämpfen dagegen an. Im Zoo von Managua hat Dr. Eduardo Sacasa ein Zuchtprogramm ins Leben gerufen, 23 Tapire leben in seiner Obhut, zwei davon stehen nun erstmals vor ihrer Auswilderung – eine Sensation! Auch im Nachbarland Costa Rica nimmt die Tapirpopulation stetig ab. Wilderer haben es auf das Fleisch der Tiere abgesehen.
3. Faszination Elbrus – Der Ritt zum Gipfel
Karachai-Pferde sind die wohl legendärsten Nutztiere im Süden Russlands. Über Jahrhunderte wurde die robuste Rasse im Kaukasus erfolgreich gezüchtet. Trotzdem galt sie vor rund 50 Jahren als fast ausgestorben. Zum Glück ist es lokalen Züchtern inzwischen gelungen, den Fortbestand dieser Tiere zu sichern. Denn für die Menschen der Region sind ihre bergtauglichen, gehorsamen und nervenstarken Pferde ein echtes Kulturgut. Auf ihnen haben die Vorfahren den Kaukasus erobert. Selbst der Elbrus, der höchste Gipfel auf über 5.600 Metern, wurde auf dem Rücken der Karachai-Pferde einst bezwingbar. Dieses Abenteuer will nun der Pferdezüchter Hassan Salpagarow selbst noch einmal wagen; er will den Elbrus per Pferd besteigen. Die saftigen Hochweiden im Nordkaukasus bieten den riesigen Herden der Karachai-Pferde genug Nahrung. Die Pferderasse gehört schon seit jeher zu dieser Region. Doch Stalins „Säuberungspolitik“ der 30er Jahre brachte Zehntausenden Menschen Tod und Vertreibung.
4. Namibias Geparden – Hoffnung für die Raubkatzen
Namibia verfügt über zahlreiche Schutzgebiete und Tierreservate. Fast 40 Prozent der Landesfläche stehen ganz oder teilweise unter staatlichem Schutz. Davon profitieren auch die dort beheimateten Raubkatzen. Es gibt schätzungsweise noch 8.000 Geparden, wobei mehr als ein Drittel von ihnen in Namibia leben. Einst war ihr Bestand um ein Vielfaches höher, doch die zunehmende Trockenheit, die Jagd der Wilderer sowie der Wettbewerb mit den größeren und stärkeren Leoparden setzen ihrer Population zu. Tierschützer und Veterinäre, ideenreiche Frauen und Fährtenleser kämpfen nun um das Überleben der Großkatzen. Die Raubkatzen Namibias leben meist gar nicht in den eher trockenen Schutzgebieten und Tierreservaten, sondern auf dem fruchtbaren Farmland. Dort werden Abertausende Rinder, Schafe und Ziegen gezüchtet, die für die schnellen Räuber eine leichte Beute sind. Dies führt jedoch zu Konflikten mit den Farmern – sie greifen häufig zum Gewehr.
5. Haute Couture – Federn, Falten, Seidenblumen
Paris ist die Wiege der Haute Couture, der gehobenen Schneiderkunst. Hier entstehen edle Roben und extravagante Designs, gefertigt ausschließlich in Handarbeit von den Kunsthandwerkern der Modezaren. Ihre Fähigkeiten sind ein urfranzösisches Kulturgut, ihre Namen und Auftraggeber oft streng geheim – und jeder Auftrag ist etwas Einzigartiges. „Diskretion ist Teil unseres Kunsthandwerkerdaseins. In der Haute Couture werden nie die Namen der Kunsthandwerker genannt. Wir dürfen noch nicht einmal verraten, für wen wir arbeiten. Man behält uns für sich, in streng vertraulichen Ateliers, gut versteckt. Das gilt für uns als Personen, aber auch für unser Handwerk, das ein französisches Kulturgut ist“, sagt Séverina Lartigue. Die Blumenkünstlerin arbeitet für die Giganten der Modebranche, Jean Paul Gaultier zum Beispiel stellte sie jahrelang vor immer neue künstlerische Herausforderungen. Und auch Eric Charles-Donatien ist einer dieser Kunsthandwerker.
6. Die Odyssee der Mönchsrobbe
Robben gibt es auch dort, wo man sie nicht unbedingt vermuten würde: im Mittelmeer. Um zu überleben, verstecken sie sich oft in unzugänglichen Höhlen. Für einen besseren Schutz dieser Säugetiere ist es wichtig, noch mehr über sie zu erfahren. Am besten dadurch, sie zu beobachten – aber ohne zu stören. Deshalb hat sich ein Forschungsteam nach Griechenland aufgemacht, um ein spezielles Kamerasystem zu installieren. Seit der Antike lebt die Mönchsrobbe im Mittelmeer. Um zu überleben und sich vor allem vor dem Menschen zu schützen, verstecken sich die scheuen Meeressäuger oft in nahezu unzugänglichen Höhlen. Sie wurden lange Zeit gejagt, wegen ihrer Haut, ihres Fettes – oder weil sie den Fischern zu viel Fisch wegfressen. Inzwischen ist die Art so gefährdet, dass die letzten knapp 500 im Mittelmeer lebenden Exemplare dringend besser geschützt werden müssen. Doch ihr versteckter Lebensraum macht ihre Erforschung und damit ihren Schutz sehr schwierig.
7. Elsass – Land der Orgeln
Patrick Armand ist Orgelbauer. Er betreibt eine der renommiertesten und ältesten Orgelbau-Manufakturen, die Firma Muhleisen im elsässischen Eschau. In keiner Region Frankreichs gibt es mehr Orgeln als im Elsass: Von fast 8.000 im ganzen Land finden sich allein im Elsass 1.250 Stück. Sie zu bauen und zu restaurieren, ist seit Jahrhunderten eine Kunst. Die Orgelmanufaktur befasst sich mit vier verschiedenen Aufgaben: der Wartung und Pflege alter Orgeln, dem Neubau, der Restaurierung und mit der sogenannten Ausreinigung, einer Generalüberholung. Orgelbauer sind oft selbst Organisten, denn sie brauchen für ihr Handwerk die nötigen musikalischen Qualifikationen. Aber auch ein komplexes handwerkliches Können ist essenziell: Sie müssen mit Holz, Eisen, Metalllegierungen und mit anderen edlen und uralten Materialien umgehen können. Die Arbeiten an den einzelnen Projekten sind aufwändig und erstrecken sich meist über mehrere Jahre.
8. Wilde Waterkant – Nordfriesland und seine Gänse
Noch vor 50 Jahren waren Nonnengänse vom Aussterben bedroht. Heute gibt es wieder Hunderttausende. Brüteten sie früher nur in den Polargebieten, sind sie inzwischen auch an der Ostsee und selbst an Norddeutschlands Westküste zu finden. Was Biologen und Naturschützer extrem freut, alarmiert jedoch zunehmend viele Landwirte. Denn die Vögel richten erheblichen Schaden auf ihren Feldern an. Und nicht nur das: Während die Tiere früher in Nordfriesland nur als Kurzzeitgäste zu Besuch waren, bleiben einige von ihnen inzwischen den ganzen Sommer hier und vermehren sich dank strikter Schutzmaßnahmen prächtig. In den Augen vieler Bauern sind die inzwischen nicht mehr gerechtfertigt. Sie fordern eine Bejagung und wollen notfalls selbst zum Gewehr greifen. Das wollen Naturschützer und Vogelliebhaber verhindern. Einer davon ist Martin Kühn, Ranger im Nationalpark Wattenmeer. Doch wie könnte schlussendlich ein Kompromiss für beide Seiten aussehen? (Text: arte)
9. Litauens rollendes Theater
Jedes Jahr im Sommer bringt das Ensemble des Marionettenkutschentheaters aus Panevezys seine Kunst in litauische Dörfer, in denen es noch nie zuvor gastiert hat. Gezogen von einer motorisierten und kunstvoll dekorierten Dampflok geht es im Puppentheaterwaggon in die entferntesten Winkel des Landes. Kleine Städtchen und winzige Ortschaften, kaum verändert über die Jahrzehnte. Sie gelten als „vergessen“. Viele Straßen sind noch unbefestigt, die Häuser einfach aus Holz gebaut, in einigen von ihnen gibt es bis heute kein fließendes Wasser. Die meisten Kinder und Jugendlichen hier waren noch nie in einem Kino, in einem Schwimmbad oder in einem Theater. Puppenspieler Daniel ist zum ersten Mal mit auf Tour.
10. Südkorea – die Nonne der Tempelküche
Fernab der südkoreanischen Metropole Seoul befindet sich der buddhistische Gameunsa-Tempel. Hier leben, beten und kochen drei Nonnen miteinander, die es sich zum Ziel gesetzt haben, das Wissen der jahrhundertealten Tempelküche zu bewahren. Äbtissin dieses kleinen Klosters ist die charismatische Wookwan Sunim. Sie wird in Asien als eine der besten Köchinnen der Welt verehrt.
11. Schwerelos im Windkanal
Der Traum vom Fliegen – im größten Indoor-Windtunnel Europas bei Mailand wird er Realität. Freifallsimulatoren wurden ursprünglich für die Luft- und Raumfahrt entwickelt. Inzwischen sind sie Freizeitspaß und dazu eine spektakuläre Bühne für Leistungssportler wie Laurie Lubbe. Sie ist Freestylerin und trainiert gerade hart für die französischen Meisterschaften. „Fliegen ist viel mehr als nur ein Teil meines Lebens. Es gehört zu mir, bedingungslos. Alle Tränen und alle Stürze haben sich gelohnt. Ich fliege, weil es für mich wie Atmen ist.“ Laurie Lubbe gehört zur französischen Nationalmannschaft. Die Athletin und Trainerin fliegt im Windkanal in der künstlerischen Disziplin Freestyle. Die Herausforderung liegt darin, in einem Luftstrom von 200 Stundenkilometern den eigenen Körper zu kontrollieren.
12. Frankreichs Gärten – Die kleinen Schätze
Serge Denoix und seine Partnerin Laurence Beaufils haben den sprichwörtlichen grünen Daumen. Die Liebe zur Gartenkunst hat sie schon immer verbunden. Doch nicht nur das – neben allem, was blüht und grünt, interessieren sich die beiden auch für die alten Werkzeuge, mit denen ihre Gärtnerkollegen über die vergangenen Jahrhunderte hinweg ihren Beruf ausgeübt haben. Dabei ist die Funktion manch eines Gerätes heute kaum mehr auf Anhieb ersichtlich. So haben die passionierten Sammler immer wieder Fundstücke vor sich, deren Zweck und Ursprung sie erst in mühevoller Recherche herausfinden müssen. Neben dem Durchforsten alter Nachschlagewerke helfen ihnen dabei befreundete Landwirte, Handwerker oder auch Antiquitätenhändler. Bei vielen der alten Werkzeuge hat das enorme Alter zudem seine Spuren hinterlassen.
13. Europas Urwälder – Ein Schatz der Natur
In der Wildnis ist Martin Mikolas in seinem Element. Der slowakische Waldökologe und Naturschützer macht Crossläufe durch unwegsames Gelände, campiert unter freiem Himmel, kennt jede Fährte, jeden Vogel. Seine Leidenschaft hat er zum Beruf gemacht: Er leitet wissenschaftliche Expeditionen in die letzten Urwälder Europas. Die Forscher wollen verstehen, wie diese einzigartigen Ökosysteme überdauern konnten. Lassen sich aus den letzten Urwäldern Lehren für die heutigen Wirtschaftswälder ziehen? Martins aktuelles Expeditionsziel: ein schwer zugänglicher Buchenwald in den Albanischen Alpen. In der abgelegenen Region gibt es keine Straßen, keinen Strom, keinen Netzempfang. Dafür verwaiste steinerne Dörfer, ungezähmte Wildbäche und Bären.
14. Zwischen Naturschutz und Panzern – Bayerns wilder Schießplatz
Grafenwöhr in der Oberpfalz ist ein Truppenübungsplatz der US-Armee. An diesem Ort scheinen Panzer und Naturschutz zwei scheinbar unvereinbare Gegensätze zu bilden. Aber gerade dort, wo tausende Soldaten mit Panzern und scharfer Munition den Ernstfall proben, haben viele bedrohte Pflanzen- und Tierarten ein Refugium gefunden. Ein Filmteam begleitete Biologen auf der Spur eines Wolfrudels. (Text: arte)
15. Kastiliens Kämpfer – Ritterspiele an der Burg Belmonte
Ein kurioses Spektakel: In historischer Ritterrüstung, mit Schwertern, Äxten und Hellebarden bewaffnet, treten Männer und Frauen in Duellen oder als Mannschaft gegeneinander an. Der mittelalterliche Turnierkampf erlebt in Spanien einen regelrechten Boom. Jedes Jahr findet ein großes Turnier am Fuße der Burg Belmonte in Kastilien-La Mancha statt. Zuschlagen, treten, zu Boden werfen – der mittelalterliche Turniersport ist so hart und anstrengend, wie er aussieht. Ein Duell dauert bis zu eineinhalb Minuten und fordert physisch und mental Extremes ab. Beim Gruppenkampf geht es darum, die Gegner schonungslos niederzuringen. Die Waffen werden in traditioneller Weise hergestellt, sind aber aus Sicherheitsgründen ohne Spitze und scharfe Klinge.
16. Nopal, der Alleskönner aus Mexiko
Ein grünes Multitalent: Der mexikanische Feigenkaktus Nopal gilt nicht nur als Superfood, sondern ist auch Inspiration für kreative Modeideen. Die in der mexikanischen Küche allgegenwärtige Pflanze wurde kürzlich von jungen Unternehmern als Basis für veganes Leder entdeckt. Steht der Lederindustrie eine Zeitenwende bevor? Consuelo Laras Felder liegen an den Hängen von Milpa Alta, dem südlichsten der 16 Bezirke von Mexiko-Stadt. Milpa Alta bedeutet „hohes Kornfeld“. Auf über 2.000 Metern über dem Meeresspiegel wächst hier ein Großteil der frischen Nahrungsmittel für die Millionenmetropole. 80 Prozent davon ist Nopal. Consuelo ist eine der wenigen Frauen, die Kaktusfelder besitzt und so ihr eigenes Geld verdient – mit der Gründung ihrer kleinen Kooperative hat sie mehreren Frauen Arbeit verschafft.
17. Tempo und Leidenschaft – Argentiniens Polo-Spielerinnen
Die Welt des Polosports ist vor allem eine Welt der Pferde. Eine ganze Batterie von Spezialistinnen und Spezialisten im Hintergrund macht das Spiel erst möglich: Tierärzte, Pferdepfleger, Trainer, Hufschmiede und viele andere. Sie alle vereint die bedingungslose Leidenschaft für Pferde und diesen Sport. In Argentinien, dem Land der Pferde, ist das Polospiel besonders beliebt. Es ist beeindruckend zu sehen, wie ein klischeebehafteter, seit über einem Jahrhundert männerdominierter Sport sich verändert. Frauen haben die Sportart für sich erobert und sind darin sehr erfolgreich. Clarita Cassino ist eine der Top-Spielerinnen Argentiniens, ein Leben ohne Pferde ist für sie undenkbar: „Polospielen bedeutet mir alles. Ich betreibe den Sport, seitdem ich klein bin."
18. Kourou: Palmen, Raketen, Gefängnisinseln
Vom Raumfahrtzentrum in Französisch-Guayana starten regelmäßig europäische Raketen und Satelliten ins All. Vor jedem Countdown müssen die vorgelagerten drei Inseln aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Sie wurden bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch als Gefängnisinseln genutzt. Danach verfielen die Gebäude und wurden von der Natur zurückerobert. Heute wachsen darin Bäume und bedrohen die Standfestigkeit der Wände, Schlingpflanzen überwuchern das Gelände. Doch Frankreich hat mit der Vergangenheitsbewältigung begonnen, die Häuser werden saniert, um dieses historische Erbe zu bewahren. Aurélie Schneider ist mit der Freilegung und Renovierung der Anlagen beauftragt. Mit Hilfe der Fremdenlegion sollen sie bald Besuchern offenstehen. Immer wieder jedoch müssen die Arbeiten unterbrochen werden.
19. Las Fallas – Valencias feurige Fiesta
Las Fallas de Valencia sind eine Mischung aus Frühlingsfest und Karneval – sie verwandeln die drittgrößte Stadt Spaniens jedes Jahr in einen gigantischen Party-Hotspot. Künstler wie Mario Gual del Olmo stecken Monate vorher viel Zeit und Kreativität in ihre riesigen Straßen-Skulpturen, die allerdings nicht sehr langlebig sein werden: Im März gehen sie traditionell in Flammen auf. Eine ganze Woche lang wird gefeiert, begleitet von Spielmannszügen, Fanfaren, Böllern und viel Feuerwerk. Die Ursprünge reichen zurück bis ins Mittelalter. Damals verbrannten die Zimmerleute am 19. März, dem Gedenktag ihres Schutzheiligen Joseph, alle Werkstattreste auf den Straßen. Fallas, übersetzt „Fehler“ oder „Misserfolge“, nannten sie diese Überreste erledigter oder misslungener Arbeiten und trieben mit dem Feuer den Winter aus.
20. Das Gerichtsschiff vom Amazonas
Seit vielen Jahren reisen brasilianische Richter mit dem alten Dampfer „Joao Bruno II“ zu entlegenen Dörfern im Amazonas-Delta. Dort leben Menschen, die weder einen Pass noch eine Geburtsurkunde haben. (Text: arte)
21. Der Science-Van on Tour: Indien – Kampf den Scharlatanen
Indien – Geburtsland des Hinduismus und Buddhismus, das Land der Spiritualität. Heiler und Gurus, sogenannte Babas, Tausende im ganzen Land und einige berühmt und reich, berufen sich auf höhere Mächte. Doch es gibt Widerstand gegen den gefährlichen Aberglauben – und die Geschäftemacherei mit der Hoffnung. Die Rationalisten haben sich zusammengeschlossen, mit ihrem Science-Van fahren sie im Dienst der Wissenschaft durch das ganze Land und klären auf. Rationalist zu sein ist eine Weltanschauung, eine Haltung zum Leben. Rationalisten glauben nicht an Götter und Geister, sondern an Vernunft und Wissenschaft. Die Organisation hat fast 10.000 Mitglieder, alle arbeiten ehrenamtlich, sind aufgeklärt und arbeiten als Anwälte, Lehrer, Handwerker oder Hochschulprofessoren.
22. Ahornsirup – Kanadas süßer Schatz
Zwei Autostunden nordwestlich von Montréal. Hier in Ripon liegt die Farm von Félix Sabourin. Der junge Mann ist Ahornsirupproduzent. Von März bis Mai schwärmt er dafür zusammen mit Freunden und Nachbarn aus, um in den benachbarten Wäldern den Ahornbäumen ihren Saft zu entnehmen und daraus den weltweit beliebten Sirup zu kochen. In diesem Jahr beginnt die Saison ungewöhnlich spät. Félix bleiben nur wenige Wochen zum Ernten. Schon lange vor den ersten Siedlern fingen die Ureinwohner Kanadas das Ahornwasser auf und kochten es zu Sirup ein. Heute ist für viele Farmer Ahornsirup ein lukratives Zusatzeinkommen. Ahornsirup wird vor allem in Zentral- und Ostkanada produziert. Etwa 30 Millionen Liter pro Jahr kommen aus Québec. Das Baumwasser wird vor allem vom Schwarzen Zuckerahorn gewonnen. Ahornsirup enthält Mineralstoffe, Vitamine und Antioxidantien. Er soll sogar Entzündungen vorbeugen und die Nerven stärken.
23. Estland – Krötenretter im Einsatz
Die Biologin Katerina Pesocki vom Städtischen Museum für Naturkunde in Tallinn kämpft für den Naturschutz, vor allem den der Amphibien. Zusammen mit Helfern und Aktivisten vom Estnischen Naturfonds organisiert sie seit einigen Jahren eine großangelegte Rettungsaktion. Speziell zur alljährlichen Massenwanderung der Kröten im Frühjahr. Wenn die Tiere ihren instinktgeleiteten Marsch antreten, engagieren sich freiwillige Helfer in ganz unterschiedlichen Teilen Estlands. Sie befördern in wenigen Tagen und Nächten Tausende Kröten und Frösche sicher über die Straßen. Doch wo genau werden die Tiere wandern? Und vor allem wann? Katerinas Fachkenntnisse sind gerade für die Einsatzplanung unabdingbar.
24. Sardiniens wertvolle Muschelseide
Die Schwestern Assuntina und Guiseppina Pes stecken inmitten der Vorbereitungen für die große Prozession zu Ehren des heiligen Antiochus. Er ist ein Schutzpatrons Sardiniens. Einmal im Jahr wird die große Parade veranstaltet, bei der Einwohner der gesamten Insel zusammenkommen, um zu feiern. Festa Manna wird diese große, 15 Tage nach Ostern anberaumte Feier zu Ehren des Heiligen genannt. Für diesen Anlass fertigen die Schwestern Pes Altartücher an und bessern bereits verwendete Tücher aus. Noch können sie dabei auf einen kleinen Rest Muschelseide zurückgreifen, jenes Material, welches aus dem Byssus der Pinna nobilis gewonnen wird, einer Riesenmuschel, die lange in den Buchten vor der Insel lebte. Inzwischen gibt es diese Muscheln fast nicht mehr. Ein Parasit hat ihre Zahl so stark dezimiert, dass Forscher unsicher sind, ob es überhaupt noch Exemplare dieser kostbaren Art gibt.
25. Cordoba, die Stadt der Patios
Sie stehen für Ruhe, Entspannung und Erfrischung in den heißen Sommermonaten: Die andalusischen Patios sind die architektonische Antwort auf die brütende Hitze, wenn in Südspanien das Thermometer bis auf 50 Grad Celsius klettert. Ihren Ursprung haben die Innenhöfe in der römischen Antike. Die muslimischen Herrscher ergänzten sie zu den Zeiten von „Al-Andalus“ – dem maurischen Reich auf der iberischen Halbinsel – um Pflanzen, Brunnen und die typischen Farben. So entstand in Andalusien über die Jahrhunderte eine ganz eigene, von zahlreichen kulturellen Einflüssen geprägte Patio-Kultur. In Córdoba sind die grünen Oasen der ganze Stolz der Stadt.
26. Marquesas-Inseln, das Comeback der Tattoos
Heretu Tetahiotupa und Teiki Huukena sind die Pioniere der neuen Tattoo-Bewegung auf den Marquesas-Inseln. Sie haben jüngst eine eigene Tätowierschule ins Leben gerufen, in der das alte Wissen über die originalen Marquesas-Motive vermittelt wird, in Theorie und Praxis. Das ist wichtig, denn die Bedeutung der alten Tattoo-Zeichen ist fast komplett verloren gegangen. Auf Nuku Hiva, der nördlichen Hauptinsel des Archipels, durchstreifen Heretu und Teiki immer wieder die Waldgebiete. Hier, mitten im Dschungel, verbergen sich Hinterlassenschaften ihrer Vorfahren und Hinweise zu ursprünglichen Tattoo-Motiven. Das früher nahezu komplett isolierte Inselvolk auf den Marquesas entwickelte eine eigene Sprache und einzigartige Zeichensymbole. Diese wurden als Tattoos unter die Haut gestochen und auch in Felsen geritzt. So haben einige Symbole die Jahrhunderte überdauert.
27. Die Schweizergarde – Ein Leben für den Papst
Die Kaserne der Schweizer Garde befindet sich auf einer Fläche von 500 Quadratmetern auf dem Territorium des Vatikanstaates. Seit mehr als 700 Jahren wird hier eine Gruppe junger Männer rekrutiert, deren Aufgabe es ist, den Heiligen Vater, seine Kardinäle und den Vatikan zu schützen. In der historischen Renaissance-Uniform sichern die jungen Männer die Eingänge zum Vatikan und demApolstolischen Palast, in dem der Papst mit seinen Kardinälen lebt, sie sind immer präsent bei den Gottesdiensten und Audienzen auf dem Petersplatz. Tag und Nacht stehen sie auf ihren Posten, stundenlang harren sie in Uniform und Rüstung aus. Lukas und Dominique stammen, wie alle Gardisten, aus der Schweiz.
28. Island, die wertvollsten Daunen der Welt
Der Loðmundarfjörður auf Island: Außer in den wenigen Sommermonaten ist dieser entlegene und unbewohnte Fjord nur per Boot erreichbar. Hierhin zieht es den Farmer Ólafur Aðalsteinsson, seine Frau und ein befreundetes Ehepaar. Jedes Jahr. Es ist die Zeit, in der die Eiderenten zur Brut auf die Farm kommen. Geschützt durch die Menschen legen sie hier ihre Eier und überlassen den Farmern dafür ihre weichen Daunen. Diese feinen Federn besitzen spezielle, auch von den Menschen geschätzte Eigenschaften wie etwa die besondere Wärmespeicherung. Mit diesen Daunen gefüllte Kissen und Decken gehören zu den wertvollsten der Welt und kosten in der Regel mehrere Tausend Euro. Derart gewinnbringend können aber nur wenige der etwa 380 Farmer auf Island von den Eiderfedern leben.
29. Zuflucht in den Anden – Kolumbiens indigene Transfrauen
Das Land der Emberá Chamí erstreckt sich in den kolumbianischen Anden, wo edler Kaffee wächst. Das Geschäft mit der Hochlandbohne ist noch fest in der Hand von Weißen und den Nachfahren von Europäern und Ureinwohnern. Seitdem es nicht mehr so rentabel ist, ziehen immer mehr Indigene als billige Arbeitskräfte auf die Plantagen. Die Kaffeefelder stellen auch für Emberá-Transfrauen eine Nische dar. Hier finden sie nicht nur einen Lebensunterhalt, sondern auch Schutz. Denn bis heute sind sie Repressalien und Unterdrückung ausgesetzt – nicht nur innerhalb der breiten Bevölkerung, sondern auch in ihren indigenen Gemeinden: In der Vorstellung vieler Emberá gilt Transsexualität als ein von Weißen eingeschlepptes Übel, das hart bekämpft werden muss. Auch Bella Wasorna hat in dieser Enklave ein neues Leben begonnen.
30. Kristall – Die magische Kunst aus den Vogesen
Alles funkelt, alles strahlt: Die nördlichen Vogesen gelten als Wiege der Kristallherstellung in Europa. Vor allem drei französische Manufakturen haben Weltruhm erlangt: die Werkstätten Saint-Louis und Lalique sowie das Internationale Zentrum für Glaskunst in Meisenthal. Dort herrscht erst recht zu Weihnachten alle Jahre wieder Hochbetrieb. Die Nordvogesen sind wie gemacht für die Kristallherstellung. Hier entstehen schon seit Generationen glänzende, durchsichtige und vor allem glitzernde Kristallkörper. Wandernde Glasmacher im 16. Jahrhundert wählten diese Region, weil hier alle natürlichen Ressourcen vorkommen, die für die Herstellung von Glas und Kristall unerlässlich sind: feinster Sand aus Flüssen, Gestein, ausreichend Holz für die pausenlos befeuerten Brennöfen und auch reichlich Wasser zur Kühlung des Glases.

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